SENDER am BREHM

 

 

 

 

Unweit des östlichen Ortsausgangs von Burg befindet sich eine der größten Sendeanlagen der Nachkriegszeit für Rundfunk im Lang- und Mittelwellenbereich. Die markantesten Bauwerke dieser Anlage sind ein 324 m hoher Stahlrohrgittermast, der heute eine Rombus-Antenne für Langwelle trägt und zwei 214 m hohe und 1,60 m im Durchmesser abgespannte Stahlrohrmaste. Der 324 Meter hohe Sendemast ist eine geerdete Stahlrohrgitter-Konstruktion mit dreieckigem Querschnitt. Er trug bis zu Beginn der 90er Jahre eine hocheffektive schwundmindernde Sendeantenne in Form einer in Russland entwickelten speziellen ARRT-Antenne die am oberen Ende des Mastes an einer achteckigen begehbaren Stahlkonstruktion von 15m Durchmesser abgespannt war. Sie diente zu DDR-Zeiten dem auf der Frequenz 783 kHz betriebenen 1000 kW-Mittelwellensender, welcher einer der stärksten Sender der ehemaligen DDR war, als Zugang zum Äther. Der 324 Meter hohe Mast ist am Fusspunkt geerdet und die beiden 214 m hohen Rohrmaste I1 und I2 durch Fußpunkt-Isolatoren gegen Erde isoliert. Beide  Rohrmaste können als fußpunktgespeiste selbst strahlende Sendemaste für Lang- oder Mittelwelle genutzt werden. Mast I1 strahlt seit dem 15.05.2006 auf 531 KHz mit einem 10 KW-Sender "Truck Radio" aus. Als weitere Antennenanlage gibt es noch eine HP-Antenne (HP=horizontale Polarisation)die an je sechs 60m freistehenden Stahlgittermasten mit Quertraversen aufgehängt ist und als Antenne eines zur Zeit stillgelegten Mittelwellensenders auf der Frequenz 1575 kHz diente. Südlich der 214m-Masten existiert noch eine Dreieckflächenantenne für Mittelwelle auf drei 55 m hohen abgespannten Stahlgittermasten (eine zweite nördliche Dreieckflächenantenne wurde im November 1998 demontiert!).

 

 

 
   

Der 324 Meter hohe Sendemast ARRT

     

Die HP - Flächenantennen

 

 

Burg 1953-1995      Anfang der fünfziger Jahre legte die DDR ein Bauprogramm für neue Sendeanlagen auf,  um eine flächendeckende Rundfunkversorgung sicherzustellen. Am 21. Dezember 1953, an Stalins Geburtstag,  ging der erste Mittelwellensender Burg bei Magdeburg auf Sendung. Der Standort strahlte Programme für die Stimme der DDR, diverse Programme für den Westen und für den russischen Soldatensender auf 904 kHz aus. Das ältere Sendehaus von Burg beherbergte die ursprünglichen beiden 250 kW Mittelwellensender. Bis in die siebziger Jahre brachte beide ohne direkte Zuordnung den Deutschlandsender bzw. die Stimme der DDR auf 782 kHz und wurden als  Sender für den Deutschen Freiheitssender 904 bzw. den Deutschen Soldatensender 935 eingesetz.

   

 
Die Dreieckantenne K1
   

Die 214 Meter Rohrmaste I1 und I2 bis zur Sprengung von I2 am 22. Juni 2006

   
Das Teilmodell der Sendeanlagen am Burger Brehm. Hier zu sehen die erste Ausbaustufe vom Anfang der 50er Jahre. Die 3 Masten der Antenne K 2 hinten rechts wurden im November 1998 demontiert. Zum linken Rand hin ist die alte Einspeiseleitung für den 324 m hohen Stahlgittermast zu sehen. Der rechte Mast I2 wurde am 22. Juni 2006 gesprengt.

 

 

Stimme der DDR mit 1000 KW Sendeleistung 

Am 23. November 1978 trat ein neuer Wellenplan in Kraft, der zunächst für die nächsten elf Jahre die Frequenz-zuweisungen für 10.000 Lang- und Mittelwellen in Europa, Afrika, Asien und Ozeanien regelte. Die Stimme der DDR sendete nun offiziell auf 177 KHz (vorher 182 kHz) Oranienburg, 783 kHz Burg und 1359 kHz Berlin. Schon im Juli 1979 wurde die Burger Sendeleistung von 250 auf 1000 kW erhöht. Die Stimme der DDR hatte nun einen neuen 1000-kW-Mittelwellensender (Kominterna Leningrad UdSSR).Die Antenne galt als effektivste deutsche Mittelwellenantenne. Die Strahlungsleistung war so groß, dass oft der Luxemburg-Effekt auftrat und sich Burger Signale beim Nachtbetrieb mit anderen Mittelwellen an der Reflexionsschicht mischten. Ein 250 kW-Sender brachte auf 657 kHz zunächst den Berliner Rundfunk, bzw. ab 1987 das Jugendradio DT64, während der zweite Sender auf 1575 kHz Radio Berlin International und nachts 0.00-4.00 Uhr die Stimme der DDR ausstrahlte. Nach der Wende in der DDR sendete die Mittelwelle ab Frühjahr 1990 Radio Aktuell auf 783 KHz, doch am 26. Mai 1991, 24.00 Uhr MESZ, wurde auch der Megawattsender  außer Betrieb genommen.

MDR Info

Am 1. Januar 1992 übernahm der MDR die Rundfunkversorgung von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der MDR richtete neben einem dritten Fernsehprogramm drei Hörfunkprogramme für den gesamten Versorgungsbereich und jeweils eines pro Bundesland ein. Besonders innovativ verfuhr man mit den Mittelwellen, über die rund um die Uhr eine Nachrichtenwelle ausgestrahlt wurde. Der Erfinder von MDR-Info und MDR-Intendant Udo Reiter war früher beim Bayerischen Rundfunk und hatte dort B5-aktuell als Vorbild. Zunächst kam MDR-info tagsüber mit 250 kW auf 783 KHz, nachts und später auch tagsüber nur noch mit 20 kW als MDR-RSA. 1992 stellte der Sender Radio Wolga die Ausstrahlung der Auslandsprogramme von Radio Moskau ein und schrieb seine Sendezeit zur Miete aus. Man konnte sowohl Sendezeit für Werbespots in den deutschen und russischen Sendungen mieten, als auch längere Sendeblöcke. Mitte 1992 mietete der private Nachrichtensender RadioRopa-Info zunächst sechs, dann bis elf Stunden täglich und sendete damit erstmalig nicht nur über Satellit und Kabel, sondern auch terrestrisch. Die ostdeutschen Bundesländer wurden durch die Langwelle 261 kHz abgedeckt und die technische Reichweite damit erhöht  . Nach 49 Jahren, am 31.06.1994 kam das Sende-Aus für Radio Wolga. RadioRopa-Info wurde durch die Telekom zunächst als Testbetrieb übernommen. Als aber kein Vertrag zustande kam, schaltete man auch diesen Sender ab. Zuletzt einigte man sich doch noch über eine Sendermiete, aber zugleich wurde die Sendeleistung bis auf 50 kW abgesenkt.

Quelle:    Dank an Hans Henning aus Reesen, der eine große Hilfe bei der Recherche war  und bis zum Ende seines     Berufslebens 1999 an und in diesen Sendeanlagen arbeitete. Er bereitet eine private Ausstellung über die Sendeanlagen vor, aus der auch das obere Teilfoto des Modells der Funkübertragungsstelle Burg stammt.

 

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