Mit der
Errichtung der ersten Burger Stadtmauer im 11. Jahrhundert entstand
auch der Hexenturm, allerdings in einer anderen Bauweise.
Vermutlich war er ursprünglich ein stadtwärts offener viereckiger
Turm, der dann am Ende des 15. Jahrhunderts zu seiner heutigen Form
umgebaut wurde. Um 1700 verlor der Turm seine eigentliche
verteidigende Funktion bei Angriffen auf die Stadt Burg und wurde
zum Kriminalgefängnis für "liederliche" Mädchen umgebaut.
Das
Turminnere war früher nur über den oben verlaufenden Wehrgang der
Stadtmauer zu erreichen, aber mit dem Wegfall dieser wurde eine
zweite Tür in Bodennähe als weiterer Zugang geschaffen. Im
Erdgeschoss ist ein kleiner Raum der mittig mit einer im Fussboden
eingelassen Öffnung versehen ist, durch die die Delinquentinnen in
das tiefe, dunkle und feuchte Verlies herab gelassen wurden.
In den
Jahren von 1616 bis 1619 fanden in Burg 10 Hexenprozesse statt, von
denen auch bekannte ansässige Familien, wie Salige, Eggers und Exs
betroffen waren. Eine der bekanntesten Insassin war die angebliche
Kindesmörderin Marie Huhn, die in der "Sage von der
Marientränke" beschrieben wurde. Zahlreiche Hexenprozesse waren auch
in der Stadt Burg typisch für diese Epoche. Am 16. Dezember 1600
wurde die so genannte "Schwarze Barbara" auf dem Scheiterhaufen
öffentlich verbrannt. Bis zum Jahr 1846 wurde der Turm noch als
Frauengefängnis genutzt, dann aber durch das neu erbeute Gericht mit
angegliedertem Gefängnis in der Hainstrasse abgelöst. 1885 sollte der Hexenturm abgerissen werden, weil die Stadt keine
Verwendung mehr hatte. Dies wurde auf Anweisung der
Magdeburger Regierung verhindert. Ein erneuter Versuch den Turm im
Jahr 1895 abzutragen, weil die "Katzentreppe" dort entstehen sollte,
scheiterte ebenfalls und so wurde die Treppe einige Meter neben dem
Turm gebaut.
Bereit
1985 wurde der Hexenturm durch den Kulturbund der DDR saniert. Die
umfassende grosse Sanierung wurde dann von 1998 bis 1999 im Rahmen des Altstadt-Sanierungsprogrammes der Stadt Burg realisiert und der Turm
ist jetzt bei Führungen mit dem Heimatverein Burg, oder beim Tag des
offenen Denkmals zu besichtigen