Anno 1530
wurde der Freiheits- oder Kuhturm das erste mal urkundlich
dokumentiert. Seine Rolle im frühen Mittelalter und das genaue
Errichtungsdatum liegen im grauen geschichtlichen Nebel. Vor dem Bau
der zweiten Stadtmauer im 14. Jahrhundert war auf dem Areal der
jetzigen Freiheitstrasse ein Freihof vorhanden, der laut Vermutung
der Historiker genau so ummauert war, wie die Stadt. Man geht davon
aus, in Erwägung zu ziehen, dass hier die Burg gestanden haben
könnte, da der Turm als Eingangspforte genutzt wurde. Danach wurde
der Freihof mit in die 2. Stadtbefestigung einbezogen.
Das
Ursprungsalter des Turmes könnte in der in der Romanik, bzw.
Frühgotik liegen, da der untere noch vorhandene Teil des Turmes aus
behauenen Natursteinen ausgeführt wurde, wie auch die Ober- und
Unterkirche von Burg. Durch kriegerische Einwirkungen wurde
möglicherweise der romanische Vorgängerbau derart zerstört, dass
beim Neubau nur der untere Tordurchlass Verwendung fand und
eingebunden werden konnte. Darüber wurde mit Ziegelsteinen
aufgestockt. Bis 1685 war der Turm oben abgestumpft und mit
Zinnen gekrönt. Später wurde ein Satteldach auf zwei gemauerten
Giebeln aufgesetzt.
Da durch
den Torweg des Turmes lange Zeit das Vieh auf die Weiden vor der
Stadt getrieben wurde entstand der Name Kuhturm. Als kein Viehtrieb
mehr stattfand, wurde die nördliche Seite zugemauert. Bis 1910 wurde
der Turm als Polizeigefängnis genutzt. Danach diente er als
Obdachlosenasyl, zirka 1940 als Jugendherberge, danach als Tierheim
und bis 1990 als Lagerraum.
Noch heute
sind im Turminneren die schweren Gefängnistüren zu betrachten. Eine
Besonderheit sind die zum Beheizen und Kochen dienenden "Schwarzen
Küchen" auf allen 4 Etagen mit eigenem Rauchabzügen, die sich erst
unter dem Dach vereinigen und als Schornstein aus dem Dach
austreten.
Der Turm
wurde ab 1992 einer vierjährigen Sanierung unterzogen, dient heute
als Ausstellung für Exponate des Heimatvereins und kann
besichtigt werden.